Eigenhandel nicht Schuld am UBS-Desaster?

Gemäss UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger entstanden die herben Verluste der drei letzen Jahre nicht im Eigenhandel:


Quelle: SRF Arena vom 26.02.2010
Übrigens: Herr Villiger scheint ein bisschen verwirrt zu sein, er wiederholt sich andauernd – bedenklich das ein solche Person der UBS-Verwaltungsratspräsident ist.

Die eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma kommt in ihrem Bericht „Finanzmarktkrise“ zu einer anderen Bewertung:

Laut den Angaben der UBS sollten in der Investment Bank die Handelsstrategien von (Dillon Read Capital Management) DRCM nicht kopiert werden. DRCM sei generell auf den Eigenhandel, die Investment Bank aber auf das Kundengeschäft ausgerichtet. Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) hatte keine Kenntnis davon, dass die UBS in diesem Bereich immer grössere Positionen auf ihren eigenen Büchern behielt und – entgegen ihrer Aussage – eine eigentliche Abkehr vom rein kundenorientierten Geschäft stattfand.

Auch SNB-Vizepräsident Thomas Jordan sieht dies anders:

NZZ: Stammen diese UBS-Papiere aus dem Eigenhandel?
Jordan: Diese Positionen stammen aus dem Handelsbuch der Investmentbank der UBS. Sie wurden damals als sehr attraktive Anlagen betrachtet, da sie einen guten Ertrag bei tiefem Risiko versprachen. Da sich die UBS-Investmentbank günstig refinanzieren konnte – etwa über interne Zuflüsse, die aus der Vermögensverwaltung kamen –, hat sie grosse Volumen in diesen Aktiven angelegt. Bei Ausbruch der Krise wurden diese Papiere illiquid und verloren massiv an Wert.
Quelle: NZZ, „Währungshüter halten Geld weiterhin billig“ vom 21.02.2010

Ich kann nur hoffen, bei der UBS wurden die Ursachen des UBS-Desaster klar identifiziert und alle Vorkehrungen getroffen, dass ähnliche Strategien nicht wieder neu aufgelegt werden. Wenn Herr Villiger als Ursachen des Desaster den Eigenhandel verneint, besteht die Gefahr, dass eines Tages die UBS wieder einen extensiven Eigenhandel betreibt.
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Obwohl die UBS im 2009 wahrscheinlich ein Unternehmensverlust von 3 bis 4 Milliarden schreiben wird, will die Bank gemäss der Schweizer Presse bis 4 Milliarden Boni an die Mitarbeiter auszahlen. Beides sind erwartete Werte der Medien und daher ohne Gewähr, die UBS hat sich zu diesen Zahlen nicht geäussert.

Natürlich gab es aus der Schweizer Politik wie gehabt sehr viel Kritik an den hohen möglichen Bonuszahlungen. Die Politiker vergessen dabei, das die Bank ihren bonusgetriebenen Banker oftmals nur die Infrastruktur und möglicherweise das „Spiel“-Kapital zur Verfügung stellen. Investmentbanker die nicht mit der Reputation der Bank arbeiten müssen, wird es kaum interessieren, ob die Bank, für die er arbeitet, nun Bank of America, UBS usw. heisst. Der Banker bei der UBS wird nicht einsehen, warum sein Bonus gegenüber seinem Kollegen bei der Deutschen Bank viel geringer ausfällt, obwohl beide dasselbe Geschäft mit ähnlicher Erfolgsquote ausüben.

Der SNB-Stabfund und damit der Schweizer Steuerzahl trägt noch immer etwa die Risiken von USD 23 Milliarden für „toxische“ Wertpapiere, welche sich die UBS mit dem Stabilisierungspaket an diesen SNB-Fonds verkaufen konnte.

Würde die UBS nur einmal ein wenig Dankbarkeit bzw. Verantwortung gegenüber dem schweizerischen Steuerzahler zeigen, dann werden die Boni aus dem SNB-Stabfund an die UBS-Mitarbeiter ausgerichtet. Dabei würde die UBS mit dem für das 2009 eingesetzten Betrages für Boni, die schlechtesten bzw. risikoreichsten Wertpapierpositionen dem SNB-Stabfund zum ursprünglichen Verkaufspreis abkaufen und diese an ihre Mitarbeiter als Bonus weitergeben. Es müsste garantiert und überwacht werden, dass die UBS diese Wertpapiere nicht ihren Mitarbeitern abkauft, es soll vermieden werden, dass die UBS diese Risiken auf einmal wieder in ihrer Bilanz haben. Anders die UBS-Mitarbeiter, sie könnten unter sich und mit anderen Finanzinstituten diese Anteile handeln. Beispielsweise könnten die Banker der unteren Einkommenklasse ihre Anteile für Cash an die 5’000 bestbezahlten UBS-Mitarbeiter verkaufen, es wäre ein solidarischer Akt der besser verdienenden.

Es soll niemand behaupten die Umsetzung meines Vorschlages sei technisch nicht möglich, wir wissen seit 2007 das die Banker die verrücktesten Pakete schnüren können.

Ich bin ein Verfechter der Marktwirtschaft, was wir aber heute erleben ist eine von Politikern injizierte Narrenwirtschaft. Jahrelang waren die Politiker die profitierenden Diener der Wirtschaftsbosse, jetzt wo die Kreditblase am Platzen ist, versuchen sie durch weitere Staatsverschuldung das Desaster hinauszuschieben. Es ist interessant, die einzelnen Staaten bei der Bekämpfung der „ihrer“ Wirtschaftskrise zu beobachten.

Börse

Die Stimmung an der Börse hat sich seit dem 9.03.2009 erheblich verbessert, obwohl die Konjunkturdaten nur geringfügig Besserung zeigten bzw. sie waren nicht so schlecht wie von den Experten erwartet. Gemäss Bloomberg „Stoxx 600 Most Expensive Since ‘03 as Options Show“ hat der europäische Dow Jones Stoxx 600 Index in der Zwischenzeit ein KGV (auf ein Jahr gerechnet) von 22.3 erreicht, gegenüber 14.4 des S&P 500. Damit sind die europäischen Aktien viel zu teuer, zudem haben die europäischen Staaten gegenüber den USA viel weniger in Konjunkturprogramme investiert. Die Gewinne des S&P 500 sind in den letzten 20 Monaten um 90% eingebrochen.

S&P 500 Earnings Decline: 90%

Gemäss BusinessWeek sind nicht in den USA die Gewinne mit 23% über das letzte Jahr am meisten eingebrochen. Japan, britischen Königreich und Deutschland mit Gewinneinbrüchen von 56% und mehr, lassen die USA weit hinter sich.

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USA

Banken Stresstest

Die führenden 19 US-Banken wurden einem Stresstest unterzogen. Einige Banken waren unzufrieden mit ihrem Stresstestresultat, daher wurden einige Resultate mit den US-Behörden nachverhandelt. Nachdem der Kapitalbedarf einiger Banken schöngerechnet wurde, liess dies die Kurse an den Aktienbörsen weiter steigen. Diesen Persilschein nutzen beispielsweise Wells Fargo und Morgan Stanley um an den Börsen sofort weiteres Kapital einzusammeln. Der Obama Administration muss man diese Aktion als einen grossen Erfolg anrechnen, damit gelang einigen Banken die private Kapitalaufnahme. Auch sonst versucht die Obama Administration für eine positive Stimmung zu sorgen, sie wollen natürlich unter allen Umständen eine Depression vermeiden.

Bailout Nation USA

Für mich sind die USA zur „Bailout Nation“ der Welt verkommen, zuerst wurde das überdimensionierte US-Finanzsystem mit Milliarden gestützt. Die beiden US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac sind zu „schwarzen Löchern“ mutiert die Unsummen von Geld verschlingen. Der ehemals weltweit grösste Versicherungskonzern AIG, wird wahrscheinlich das Ranking der weltweit grössten Kapitalvernichter in naher Zukunft anführen. Auch die beiden US-Autobauer Chrysler und GM werden den US-Staat noch etliche Milliarden kosten. Nun müssen auch noch die US-Versicherungen mit Troubled Asset Relief Program (TARP) Geld gestützt werden.

Das Wirtschaftswachstum der USA und des britischen Königreiches zwischen 2002 bis 2008 basierte mehr oder weiniger auf den hausgemachten Kreditblasen, die nun am Platzen sind. Der Bürger der beiden Länder konnte sich auf Grund der steigenden Immobilienpreise stark verschulden und damit den Konsum in ihrem Wirtschaftsraum anheizen. Die sinkenden Immobilienpreise tendieren wieder mehr gegen den langjährigen Durchschnitt und damit wird das schon ausgegebene Geld zu realen Schulden, diese lassen sich nicht einfach wegrechnen. Die US-Arbeitslosenquote ist inzwischen auf 8.9% hoch geschnellt, dadurch bricht der US-Konsum weiter ein und zum Leidwesen fangen die US-Bürger zu sparen an. Diese negative Spirale von steigender Arbeitslosigkeit, weniger Konsum, und einer ansteigenden Sparquote wird die US-Wirtschaft weiterhin negatives Wachstum bescheren.

Wahrscheinlich wird der schon ziemlich hoch verschuldete US-Staat diese Schulden aufkaufen und „weginflationieren“ – eine andere Lösung sehe ich nicht.

Deutschland

Regelmässig lese ich online Frankfurter Allgemeine, Spiegel online und sueddeutsche. Wenn man denn Wirtschaftsteil dieser online Blätter liest, bekomme ich das Gefühl, es drehe sich in Deutschland alles um das Auto, dabei sind seit Längerem, Porsche, Volkswagen und Opel das Dauerthema.

Bad Bank

Teilweise haben einige deutsche Banken und noch mehr die deutschen Landesbanken ihre Bilanzen in den letzten Jahren fleissig mit „Schrottpapieren“ angereichert. Aus diesem Grund wurde kürzlich in Deutschland ein Bad-Bank-Gesetz verabschiedet. Damit können deutschen Banken ihre „Schrottpapiere“ in eine eigene Zweckgesellschaft auslagern. Im Gegenzug bekommen die Banken Schulverschreibungen ihrer Zweckgesellschaft, die vom staatlichen Bankenrettungsfonds garantiert sind. Das Risiko dieser Wertpapiere verbleibt grundsätzlich bei der Bank bzw. bei ihren Aktionären, wenn diese in den nächsten 20 Jahren Gewinne erwirtschaftet. Durch die geplanten Massnahmen gewinnen die Institute Zeit. Sie haben die Chance, mit späteren Gewinnen die aktuellen Verluste zu decken. Sinn und Zweck der gewählten Konstruktion ist es, die abschreibungsträchtigen Papiere aus den Bilanzen der Banken zu bekommen.

Deutsche Bad Bank Lösung

Abwrackprämie

Wer seinen im Minimum 9 Jahre alten Wagen verschrotten lässt, kommt in Genuss einer Prämie von EUR 2‘500. Diese Konjunkturspritze wird den deutschen Staat bis zu EUR 5 Mrd. kosten. Die Autoindustrie hat Überkapazitäten, statt diese endlich zu verringern, wird sie staatlich unterstützt. Warum sich Deutschland auf eine solche Marktverzerrung einlässt, ist mir unbegreiflich, die Folgekosten werden sie in den nächsten Jahren tragen müssen. Im Informations- und Kommunikationszeitalter sollte nicht ein Mobilitätsinstrument des letzten Jahrhunderts mit staatlichen Geldern künstlich gefördert werden.

Schweiz

Ich glaube, die jungen Schweizer verdienen eine bessere Regierung und Parlament als die aktuell überalterte Politikelite. Leider enden heute viele Diskussionen immer wieder im Parteistreit. Für mich ist die Schweiz ein träges Land geworden ohne Visionen für die Zukunft, sie begnügt die als Drittbrettfahrerin. Gerade in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise setzt die Schweiz zum Teil noch immer in den Ausbau von Infrastruktur Strasse und Schiene. In der heutigen Zeit sollte in die Infrastruktur dahingehend ausgebaut werden, damit die Telearbeit für viele Arbeitnehmende das Zukunftsmodell wird. Die Technologie ist vorhanden und muss nur noch richtig verbreitet und eingesetzt werden. Natürlich würden einige Manager am Gefühl von Kontrollverlust über ihre Mitarbeiter leiden.

Früher oder später werden wir wieder hohe Energiekosten erleben, warum nicht endlich alternative Energien mit Hochdruck fördern? Das gesamte Umweltproblem wird zurzeit nur noch drittrangig behandelt, wäre nicht jetzt der richtige Zeitpunkt dort Investitionen zu tätigen. Hätte die Schweizer Regierung nicht geschlafen, könnte sie auch entsprechende Projekte aus der Schublade ziehen. Leider wirkt das Strommulti-Lobbying für Kernkraftwerke in Bern zu stark, als sich die Politiker nach Alternativen bemühen müssten.

In der Schweizer Politik geht es viel zu oft um Personen und viel zu wenig um die Sache. Letztes Jahr hatte sich die Diskussion monatelang um ehemalige und zukünftige Bundesräte gedreht. Beispielweise werte ich die Wahl im SNB-Direktorium wichtiger ein, als ob jetzt X oder Y in den Bundesrat gewählt wird. Oftmals fokussiert die Schweizer Politik über Monate hinweg auf unwichtige Themen und übersieht den „Sturm“ der auf sie zukommen könnte.

Von der FDP höre ich immer nur, dass wir dieses und jenes nicht machen können. Diese verfilzte Elite will möglichst lange vom jetzigen System profitieren und ist daher nicht mehr als ein Wasserträger einiger Wirtschaftsbosse. Die SVP bringt die Schweiz mit ihrem Zickzack Kurs auch nicht weiter. Übrigens auch die meisten Politiker der anderen Parteien sind kaum fähig über ihr Parteibuch hinaus zu denken.

Ich glaube wir sollten vermehrt mehr junge Leute in das Parlament wählen, die selber denken können und im Interesse der Schweiz handeln – dafür weniger Parteipolitik betreiben.

UBS

Neulich hat sich Verwaltungsratspräsident Villiger beklagt, dass sie in den USA die besten Mitarbeiter verlieren. Er sieht den Grund bei den zu niedrigen Löhnen für die Topleute des UBS-Investmentbanking.

Wenn die Topleute des Investmentbanking heute einen Arbeitgeber auswählen können, da steht die UBS sicherlich in den USA oder London auf den hintersten Plätzen. Warum sollten sie sich bei einer solchen Bank noch anheuern lassen? Die Reputation der UBS ist im Keller, viele amerikanische Häuser wie Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan usw. haben scheinbar die Krise bisher viel besser gemeistert als die UBS. Der UBS gelang es nicht im 1Q 2009 einen Gewinn zu machen, obwohl weltweit keine andere Bank so einfach ihre problematischen Wertpapiere von USD 40 Mrd. an ihren Heimatstaat bzw. Nationalbank abtreten konnte.

Für mich ist die UBS eine sehr negativ belastete Marke, sie steht für hohe Staatshilfen und mehrfacher Steuerbetrug. Würde ich für sie arbeiten und bekäme ich die Wahl für ähnliche Konditionen bei einem anderen Arbeitgeber zu arbeiten, würde ich umgehend die Stelle wechseln – wer arbeitet schon gerne in einem Loser Team.

Während einige amerikanische Finanzinstitute wie beispielsweise Goldman Sachs möglichst bald ihre USD 10 Mrd. aus dem TARP zurückzahlen wollen, wird die Marke UBS während Jahren mit der benötigten Staatshilfe von USD 46 Mrd. negativ besetzt sein. In den USA gibt es als Kunde und für die Topmitarbeiter bessere Alternativen als zur UBS zu rennen.

Natürlich muss die UBS mit höheren Löhnen gewisse spezialisierte Mitarbeiter halten, einige Handelsgeschäfte werden nur von wenigen spezialisierten Mitarbeitern verstanden, zudem ist ein Schnellausstieg aus einem solchen Geschäft oftmals unmöglich. Solche Mitarbeiter können ihre Arbeitgeber erpressen, denn diese Geschäfte auf andere Mitarbeiter zu übertragen wäre zu risikoreich, dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, ob netto ein Gewinn oder Verlust erzielt wird.

Ich schiebe oder schreibe in meiner täglichen Arbeit einige hundert Programmzeilen, diese Investmentbanker schieben einige USD 10 Millionen oder das Zigfache von dem umher. Wahrscheinlich daher die grossen Lohnunterschiede, wobei diese Damen und Herren seit der Lehman Brother Insolvenz diese mit einer expliziten Staatsgarantie tun und ich bzw. mein Arbeitgeber für meine Fehler geradestehen muss.

Ich hatte schon einige Male das Gefühl ich sei der Einzige, der die SNB-Zweckgesellschaft infrage stellt. Es gibt nun mit Volker Grossmann und David Stadelmann auch Ökonomen, welche das Schweizer Stabilisierungspaket des Finanzsystems aus einem kritischen Blick betrachten.

Diese Woche gab Bundesrat Samuel Schmid seinen Rücktritt bekannt. Wahrscheinlich sind die Politiker froh, dass sie sich in den nächsten paar Wochen nicht mit der anspruchsvollen Sachpolitik wie der Finanzkrise konfrontiert werden. Für den Schweizer Politiker ist es geistig viel leichter über die Nachfolger/in von Bundesrat Schmid zu debattieren als seine Unkenntnisse über die aktuelle Finanzkrise zur Schau stellen zu müssen.

Ich hatte mir vorgenommen, nicht mehr über den UBS-Rettungsplan zu schreiben. Wenn ich aber unsere finanztechnisch naiven Politiker höre, kann ich es nicht unterlassen, meine Bedenken nochmals zu äussern. Für mich haben viele unserer politischen Eliten, ein Investmentniveau, was bestenfalls für die Adressenkartei des ehemaligen Basler Financier Dieter Behring taugt.

In „Die UBS beansprucht nun doch Staatshilfe“ sind gemäss der Aussage von EBK-Präsident Eugen Haltiner die Subprimepapiere zu 90% und ALT-A um die 60% von der UBS abgeschrieben worden. Viele Schweizer Politiker gehen noch immer davon aus, dass Hypothekenpapiere nie zu 100% abgeschrieben werden müssen. Dies mag für Pfandbriefe oder auch ähnliche Konstrukte zutreffen, nur handelt es sich bei diesen verbrieften Papieren um eine komplizierte Verbriefung von Hypotheken. Von der Khan Academy gibt es auf You Tube Videos, die komplizierte Dinge einfach erklären, wie beispielsweise:

Why these CDOs could be worth nothing

In der Sonntagszeitung vom 16.11.2008 wird im Artikel „Noch ist Zeit umzudenken“ der UBS-Plan kritisch beleuchtet. Die beiden oben benannten Ökonomen haben bemerkt, dass die Schweiz als einziges Land, den von US-Finanzminister Henry Paulson vorgeschlagenen Plan umsetzt. Henry Paulson selbst verfolgt seinen ursprünglichen Plan mit dem Aufkaufen der faulen Bankkredite nicht mehr. Die Autoren sehen auch, dass die Immobilienpreise ein Abwärtspotenzial von 25% haben können, was den Schweizer Steuerzahler zirka 15 Milliarden kosten würde.

Beim ursprünglichen Paulson Plan verfolgte ich teilweise die Diskussion in den USA über die Ermittlung der Preise der faulen Wertpapiere. Die zwei Autoren erkennen dieses Problem auch für die SNB-Zweckgesellschaft:

Entscheidend ist der Preis, zu dem die Wertpapiere abgenommen werden. Werden die Papiere zum derzeitigen risikoadjustierten Wert – den “fair value” des Marktes – von der Nationalbank übernommen, stürzt die UBS weiter in die Krise. Die Wertpapiere müssen also zu einem höheren Preis gekauft werden, um die Probleme der Bank zu lösen. Die ist aber eine Umverteilung vom Steuerzahler zur UBS, da die Bank keine Gegenleistung erbringen muss.

Diese Problematik des ursprünglichen Paulson Planes wurde sofort von der US-Presse und den US-Politikern aufgeworfen. In der Schweiz scheinen unsere Politiker und Wirtschaftsleute dieses Problem nicht einmal zu erkennen. Ich bin schon erstaunt, wie verantwortungslos die schweizerische Exekutive mit unseren Steuergeldern beim UBS-Stabilisierungsprogramm umgeht.

Die beiden Ökonomen sehen andere Formen von Hilfe für die UBS, beispielsweise die Beteiligung des Staates durch Aktien mit Stimmrecht.


UBS-Rettungsvehikel schon unter Wasser

Gemäss der Sonntagszeitung vom 16.11.2008 steht die SNB-Zweckgesellschaft schon mit einer Milliarde USD im Minus. Damit ist der 6 Milliarden USD Puffer der UBS schon im ersten Quartal dieses Rettungsvehikel verbrannt worden. Wie heisst es so schön: Privatisierung der Gewinne, Sozialisierung der Verluste.

Nachtrag 22.11.2008:
Gemäss dem BusinessWeek vom 24.11.2008, haben die 10 grössten Investment Banken im Jahr 2006 für über 1.5 Billionen USD Mortgage-Backed Securities verkauft. Im Jahre 2000 waren es noch bescheidene 245 Milliarden USD. Im Jahre 2006 war die Wall Street richtig süchtig nach Subprime Hypotheken, diese hatten die höchsten Zinsen und waren die profitabelsten. Ein interessanter Artikel, siehe „Sex, Lies, and Subprime Mortgages„.

Das Stabilisierungsprogramm des Bundes/SNB für die UBS kann auch zu einem Bumerang für die UBS werden. Die plötzliche Informationsoffensive der UBS und SNB in dieser Woche bzw. an diesem Wochenende können nichts Gutes bedeuten, wahrscheinlich rennen der UBS die Kunden in Scharren davon. Zurzeit versucht die UBS den Geldabfluss zu stoppen und hat dazu mehrere Aktionen eingeleitet:

und die SNB setzt noch eines darauf:

Ob alle diese Pressebeiträge auch der Wahrheit entsprechen, ist eine andere Frage.

Ich habe schon ausgeführt, warum ich von der SNB-Zweckgesellschaft wenig halte. Heute bin ich sogar noch mehr der Überzeugung, dass das Stabilisierungsprogramm der UBS viel mehr schaden als nützen wird. Wahrscheinlich stellen sich auch andere, folgende Frage:

Wie schlecht besteht es wirklich um die UBS? Den UBS-News „UBS entfernt Risikopositionen aus ihrer Bilanz durch Transaktion mit der Schweizerischen Nationalbank“ kann folgender Text entnommen werden:
UBS wird zusätzlich Schuldinstrumente (primär Nicht-US-Papiere) mit einem Nettowert von USD 18 Milliarden an die Zweckgesellschaft übertragen. Dabei handelt es sich um ein breites Spektrum von Wertschriften, die mit unterschiedlichen Vermögensklassen unterlegt sind. Die Einbeziehung dieser Positionen gründet auf dem Entscheid von UBS, ihr Verbriefungsgeschäft abzubauen und führt gleichzeitig zu einer besseren Diversifizierung des Portfolios der Zweckgesellschaft.

Warum wurde Zweckgesellschaft mit noch mit weiteren Schuldinstrumenten nicht US-Assets auf USD 60 Milliarden aufgestockt. Braucht die UBS wirklich soviel Cash, um nicht bankrottzugehen, oder handelt es sich nur um eine Konsolidierung der Lage, wie der SNB-Präsident Jean-Pierre Roth in „Aber die Realität der Märkte ist anders“ betont?

Leider hat sich die SNB von der schlechten Kommunikation der UBS anstecken lassen und erachtet es als unnötig für die gewünschte Transparenz in der SNB-Zweckgesellschaft zu sorgen.

Nun, ich glaube mit diesem Stabilisierungsprogramm hat sich die UBS als Vermögensverwalter vollständig disqualifiziert. Wenn ich reich wäre, würde ich mein Geld nie einer Bank anvertrauen, die ihr eigenes ihr Portfolio an die Wand fährt und sich danach aus der Verantwortung stiehlt. Ich denke die Marke UBS ist zu einer Hypothek für die Schweiz geworden. Mit dem Stabilisierungsprogramm hat der Bundesrat, SNB mit der UBS die dümmste aller Lösungen gefunden. Die Abwanderung der UBS-Kunden geht weiter oder wurde gar verstärkt und das Vertrauen der anderen Banken in die UBS bleibt auf tiefem Niveau, siehe Bonität und Credit Default Swaps.

Andere Länder haben ihre Lösungen viel besser durchdacht, beispielweise Deutschland mit ihrem staatlichen Hilfsfond. Der deutsche Staat bekennt sich damit, ihren Banken zu helfen, aber nur wenn diese die Hilfe wirklich wollen und benötigen. Falls die Deutsche Bank die Krise ohne diese Staatshilfe durchstehen wird, wird sie eine der ersten Plätze als Grossbank bei der vermögenden Kundschaft einnehmen.

Die UBS wird ihren Niedergang als Vermögensverwaltungsbank kaum stoppen können, mit dem schlecht durchdachten Eingriff des Schweizer Staates hat sie definitiv ihr bisheriges grosses Vertrauen verspielt.

Nebenbei: Die UBS musste diese Woche in Deutschland die beiden Immobilienfonds UBS Euroinvest und UBS 3 Kontinente „einfrieren“.

Mit ihren Fehleinschätzungen bezüglich der Finanzkrise haben die Politiker, SNB-Direktoren und des UBS-Management uns schon einige Male überrascht. Nun sind diese drei Parteien daran, den nächsten fahrlässigen Fehler mit der Gründung der SNB-Zweckgesellschaft für die UBS-Wertpapiere zu begehen.

Die Zweckgesellschaft muss unter allen Umständen vermieden werden, es kann zum Desaster für den CHF und/oder den Schweizer Steuerzahler.

Das frühere und heutige Management der UBS wie beispielsweise die Herren Wuffli, Ospel usw. sollten gezwungen werden, mehrere Millionen CHF Anteile an dieser Zweckgesellschaft zu übernehmen. Auch die Bundesräte und SNB-Direktoren sollten sich mit hohen Summen daran beteiligen, wenn Sie schon glauben es könnten gar Gewinne daraus resultieren. Ich würde mich selbstverständlich mit einer Shortposition beteiligen.

Noch einige Tage vor dem UBS-Desaster
Ich führe hier einige Einschätzungen auf, die vor einigen Tagen von Finanzfachleuten gemacht wurden. Sie können selbst sehen, dass diese Spezialisten die Situation der UBS völlig falsch eingeschätzt haben.

Handelszeitung 15-22.10.2008, Martin Spieler: Anders als im Ausland löffeln die Schweizer Banken die Suppe, die sie sich eingebrockt haben, selber aus und beanspruchen keinen einzigen Steuerfranken. Das ist eine einmalige Chance für den hiesigen Finanzplatz. Wenn sich der Rauch irgendwann lichtet, werden viele reiche Kunden unabhängige Institute bevorzugen, die ihre Probleme ohne Staatshilfe gelöst haben.

Stocks 22/2008, Seite 18, Marcus Dankert: Die anfänglich sehr verwirrende Handlungsweise der UBS erweist sich als ausgezeichnetes Krisenmanagement und als Indiz, dass die Selbstheilungskräfte der Marktes funktionieren – ob Zufall, Glück oder Kalkül sei dahingestellt. Als andere Institute sich noch in beschwichtigenden Worten suhlten, schrieb sie Milliarden ab, holte sich gegen mannigfache Widerstände frühzeitig frisches Kapital an Bord und säuberte nach und nach den Verwaltungsrat von alten Seilschaften – lang bevor die Finanzkrise ihre volle Vernichtungskraft entfaltete. Mittlerweile ist das Institut wieder eine der bestkapitalisiertesten Banken, von einem Grounding à la Swissair ist schon lange nicht mehr die Rede.

Fact: Das sich andere Institute ähnlich wie die UBS auch am Markt rekapitalisiert haben wird nicht erwähnt, siehe „Banks‘ Subprime Losses Top $500 Billion on Writedowns (Update1)“.

Stocks 22/2008, Seite 19: Die Franken-Stärke dürfte anhalten, wenn der Schweizer Finanzplatz als Gewinner aus der Krise hervorgehen sollte. Investoren sind deshalb gut beraten, einen erheblichen Teil ihrer Wertpapiere in Schweizer Franken anzulegen.

Fact: Ob der CHF seine Stärke auch in der Zukunft behält, wage ich zu bezweifeln. Die illiquiden UBS-Positionen der SNB-Zweckgesellschaft wird entweder zu einer hohen Steuerbelastung und/oder einem schwachen CHF führen.

Nach dem UBS-Desaster
Zwei Beispiele, wie sich die SNB auf den falschen Pfad begibt:

Thuner Tagblatt, 17.10.2008: Werden Sie zeigen, wie das Portfolio genau zusammengesetzt ist? Thomas Jordan, SNB-Direktoriumsmitglied: Wir können nicht alles offenlegen. Wir wollen die Wertschriften zu einem möglichst guten Preis verkaufen. Zu viel Transparenz würde hier schaden.

Fact: In den Finanzmärkten ist Transparenz immer noch ein Fremdwort und gerade daraus entstanden die grössten Probleme der aktuellen Finanzkrise.

Thuner Tagblatt, 17.10.2008: Jean-Pierre Roth sagt: „Die UBS hat diese Positionen aggressiv abgeschrieben“. UBS-Chef Marcel Rohner betonte, dass es für den Grossteil dieser Papiere kein Markt gebe und die Bewertung auf einem rechnerischen Substanzwert beruht.

Fact: Warum behauptet der SNB-Präsident Jean-Pierre Roth, dass die Papiere aggressive abgeschrieben worden sind, es gibt keinen Markt, der dies bestätigt. Der Wert der Papiere wird sehr stark von der zukünftigen US-Konjunktur abhängen. Der US-Immobilienmarkt ist immer noch zu teuer und die Probleme der Konsumkredite haben gerade erst begonnen. Zudem kennt die UBS den US-Hypothekenmarkt nur aus dem Handelsraum, während fast alle anderen Banken mit hohen zweitklassigen Hypotheken Exposure, seit der Lehman Brother Insolvenz, den direkten Zugang zu den US-Hypotheken-Schuldnern hat.

Es stellen sich folgende Fragen:
Was passiert, wenn die SNB innerhalb den nächsten 8 Jahren ein Verlust von 20 Milliarden mit diesen Wertpapieren einfährt? Was bedeutet dies für die Schweiz? Ich möchte jetzt nicht hören, dass ein solcher Verlust unmöglich wäre, wer hätte vor noch einem Jahr gedacht, dass der Staat eine bankrotte UBS retten muss. Wenn zu diesem Zeitpunkt die UBS Gewinn von 5 Milliarden und mehr einfährt, würde sie sich solidarisch zeigen? In diesem Asset gibt es sehr viele Unbekannte und ich erwarte Antworten auch für den schlimmsten Fall und nicht nur für die gewünschten Ereignisse.

Es wurden in der letzten Zeit schon sehr vieles von einem UBS-Management und der Politiker schön geredet, jetzt müssen wahre Fakten auf den Tisch kommen. Wie steht es mit den Risiken der anderen UBS-Asset dieser 2000 Milliarden Bilanz?

Der Schweizer Bürger hat das Anrecht auf solche Antworten.

Wer ein Investment eingeht, muss sich vorher über Risiko und Rendite bewusst sein, andernfalls kann es ein böses Erwachen geben. Auch wenn ähnliche Hilfspakte dieser Art in der Vergangenheit funktioniert haben, ist dies noch lange keine Garantie für das Funktionieren in der Zukunft. In den USA hat sich die UBS verspekuliert, dabei haben einige UBS-Mitarbeiter Millionen mit diesen Deals verdient. Der US-Bürger lebt bekannter weise auf zu grossem Fuss und schickt nun einen Teil der Rechnung an die sparsamen Schweizer Bürgern. In Schweden wurde damals das Bankenproblem ihres Landes behoben, wir müssen nun das Risiko von bis gegen 40 USD Milliarden schleckten US-Assets übernehmen. Was dem Schweizer Bürger durch die UBS und der Schweizer Politik geboten wird, ist eine absolute Frechheit.

Gratulation an die UBS, die hat den Deal ihres Lebens geschlossen, Kredite, die kein vernünftiger Mensch mehr will, können sie bei der SNB abladen. Willkommen im Club, welchen den US-Amerikanern auch weiterhin das Leben in Saus und Braus ermöglicht. Die Vietnamesen, Chinesen und andere asiatische Länder gewährleisten der USA den hemmungslosen Konsum auf Schulden, wir Schweizer Bürger dürfen jetzt einen Teil der Kosten an ihren überdimensionierten, leer stehenden, zerfallenden US-Häusern übernehmen.
Hoffentlich werden die USA nicht nur über uns lachen, sondern auch einmal danken!

Vielleicht sind unsere Politiker gar nicht so naiv, eher halten sie den normalen Schweizer Bürger für naiv, dem man einen solchen schlechten Deal einfach so unterjubeln kann.